Joghurt selber machen gilt als Klassiker unter den Spartipps. Ob das stimmt, hängt an einer einzigen Frage: Womit vergleichst du? Denn anders als beim Brot spielt der Strom hier fast keine Rolle, der ganze Unterschied entsteht bei der Milch und bei der Sorte Joghurt, die du sonst kaufst.
Was du überhaupt brauchst
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Für einen Liter Joghurt:
- 1 Liter Milch
- zwei Esslöffel Naturjoghurt als Starter, oder ein Beutel Joghurtkulturen
- eine Wärmequelle, die acht bis zehn Stunden etwa 42 Grad hält
Aus einem Liter Milch wird ungefähr ein Liter Joghurt. Das macht die Rechnung angenehm einfach.
Ab dem zweiten Mal kostet der Starter nichts mehr: Zwei Löffel vom eigenen Joghurt reichen für den nächsten Ansatz. Nach etwa fünf bis zehn Runden lässt die Triebkraft nach, dann brauchst du einen frischen Starter.
Strom: hier ist er fast egal
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 bei 37,0 Cent je Kilowattstunde, das ist der Wert der BDEW-Strompreisanalyse mit Stand April 2026. Dein eigener Arbeitspreis steht auf der letzten Jahresabrechnung.
Anders als beim Backofen läuft beim Joghurt kein Heizstab. Es geht nur darum, Wärme lange zu halten.
Milch erhitzen auf etwa 90 Grad, dann abkühlen lassen: rund 0,1 kWh. Rechenweg: 0,1 × 0,37 Euro = rund 4 Cent.
Warmhalten, je nach Methode:
- Thermoskanne oder gut isolierte Kiste: 0 Cent, weil keine weitere Energie nötig ist
- Joghurtbereiter, etwa 15 Watt über 10 Stunden: 0,15 kWh, also rund 6 Cent
- Backofen nur mit Innenbeleuchtung: je nach Gerät grob 0,3 kWh, also rund 11 Cent
Zusammen liegst du bei 4 bis 15 Cent Strom pro Liter. Die Wattangaben sind Annahmen, den echten Wert deines Geräts findest du auf dem Typenschild.
Das ist der wesentliche Unterschied zum Brotbacken. Dort macht der Strom fast die Hälfte der Kosten aus, hier sind es ein paar Cent.
Milch: nimm deinen Kassenbon
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Milchpreise ändern sich häufig und unterscheiden sich stark zwischen Discounter-Eigenmarke, Markenmilch und Bio. Jede feste Zahl in einem Blogbeitrag ist nach wenigen Monaten falsch.
Schreib deshalb den Preis auf, den du tatsächlich zahlst. Bei einem Liter Milch pro Liter Joghurt brauchst du nicht einmal umzurechnen.
Deine Rechnung lautet: Milchpreis pro Liter plus Strom.
Die Rechnung im Beispiel
Mit Beispielwerten, die du durch deine ersetzt:
- 1 Liter Milch: 1,10 Euro (Beispielwert)
- Starter ab dem zweiten Mal: 0,00 Euro
- Strom, Thermoskannen-Methode: 0,04 Euro (belegt, siehe oben)
- Summe: 1,14 Euro pro Liter
Gegenprobe mit Joghurtbereiter: 1,10 plus 0,04 plus 0,06 ergibt 1,20 Euro. Der Unterschied zwischen den Methoden beträgt also wenige Cent, die Wahl der Methode entscheidet nicht über die Ersparnis.
Nicht enthalten: dein Zeitaufwand. Reine Arbeitszeit sind etwa zehn Minuten, der Rest ist Warten.
Womit du vergleichst, entscheidet alles
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Hier liegt die eigentliche Antwort, und sie fällt je nach Vergleichsprodukt gegensätzlich aus.
Gegen Naturjoghurt im großen Becher, Eigenmarke: Der ist im Handel oft günstiger als ein Liter Milch. Dann sparst du nichts, sondern zahlst drauf.
Gegen kleine Becher zu 150 oder 250 Gramm: Der Kilopreis liegt dort deutlich höher. Hier sparst du spürbar.
Gegen Bio- oder Markenjoghurt: Du sparst, und die Differenz wächst mit dem Preisniveau der Marke.
Gegen griechischen Joghurt oder Skyr: Der größte Hebel von allen. Beide sind im Handel deutlich teurer, entstehen aber schlicht durch Abtropfen deines eigenen Joghurts über ein Tuch, ohne zusätzliche Zutat.
Ehrlich gesagt: Wer den günstigsten Kilobecher aus dem Discounter kauft, spart durch Selbermachen kein Geld. Wer Bio, Marke, kleine Becher oder griechischen Joghurt kauft, schon.
Ein Rechenbeispiel für die Ersparnis
Angenommen, du ersetzt wöchentlich einen Liter gekauften Joghurt und sparst dabei 80 Cent.
Rechenweg: 0,80 Euro × 52 Wochen = 41,60 Euro im Jahr.
Setz deine echte Differenz ein: Preis deines gekauften Joghurts pro Liter minus deine Herstellungskosten, mal Anzahl der Liter pro Jahr.
Das ist kein großer Betrag. Es ist aber ein Posten, der ohne weiteren Aufwand jedes Jahr wiederkehrt, und bei griechischem Joghurt oder größerem Verbrauch deutlich höher liegt.
Lohnt sich ein Joghurtbereiter?
Das kommt darauf an, wie schnell er sich bezahlt macht. Die Rechnung dafür ist einfach:
Anschaffungspreis geteilt durch Ersparnis pro Liter = Anzahl der Liter bis zur Amortisation.
Beispiel: Ein Gerät für 30 Euro bei 80 Cent Ersparnis pro Liter bedeutet 37,5 Liter, aufgerundet 38. Bei einem Liter pro Woche sind das etwa neun Monate.
Wichtig: Du brauchst kein Gerät. Eine Thermoskanne oder eine Kiste mit Handtüchern funktioniert genauso und kostet nichts. Ein Joghurtbereiter kauft dir Bequemlichkeit, nicht Ersparnis.
Was tatsächlich schiefgehen kann
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Misslungener Joghurt ist der teuerste Fehler, weil ein ganzer Liter Milch verloren geht. Drei Ursachen decken fast alle Fälle ab:
- Zu heiß beim Animpfen. Über etwa 45 Grad sterben die Kulturen. Die Milch muss abgekühlt sein, bevor der Starter hineinkommt.
- Falscher Starter. Joghurt mit dem Hinweis „wärmebehandelt nach der Fermentation“ enthält keine lebenden Kulturen mehr und funktioniert nicht.
- Zu kurz oder zu kühl. Unter acht Stunden bleibt der Joghurt dünn.
Bei H-Milch kannst du das Erhitzen überspringen, sie ist bereits keimarm. Das spart die vier Cent Strom und einiges an Zeit.
Häufige Fragen
Was kostet ein Liter selbstgemachter Joghurt?
Im Wesentlichen den Preis eines Liters Milch plus vier bis fünfzehn Cent Strom. Setz deinen Milchpreis ein, dann hast du deinen Wert.
Wie viel Strom braucht Joghurt selber machen?
Deutlich weniger als die meisten schätzen. Erhitzen der Milch rund 0,1 kWh, Warmhalten je nach Methode zwischen null und 0,3 kWh. Bei 37,0 Cent je kWh nach BDEW-Durchschnitt 2026 sind das insgesamt etwa 4 bis 15 Cent.
Brauche ich einen Joghurtbereiter?
Nein. Thermoskanne, Backofen mit Restwärme oder eine isolierte Kiste funktionieren ebenso. Das Gerät spart Handgriffe, kein Geld.
Wie oft kann ich eigenen Joghurt als Starter nehmen?
Ungefähr fünf bis zehn Mal. Danach wird das Ergebnis dünner oder säuerlicher, dann brauchst du frische Kulturen.
Lohnt sich Joghurt selber machen wirklich?
Gegen den günstigsten Kilobecher nein. Gegen kleine Becher, Bio, Marken oder griechischen Joghurt ja, bei letzterem am deutlichsten.
Kann ich pflanzliche Milch verwenden?
Das funktioniert nur eingeschränkt und braucht meist zusätzliche Bindemittel und spezielle Kulturen. Rechnerisch ist der Hebel geringer, weil die Ausgangsprodukte teurer sind.
Die Antwort in einem Satz
Joghurt selber machen spart Geld, wenn du sonst Bio, Marken oder kleine Becher kaufst, und kostet Geld, wenn du sonst zum günstigsten Kilobecher greifst.
Rechne es einmal mit deinem Milchpreis und deinem Joghurt durch. Zwei Zahlen, eine Subtraktion, und du weißt, auf welcher Seite du stehst.
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